Bureh – Kalifourou

16.112 KM

23.- 27. 02. 2026

 

Ich fahre früh am Morgen mit sehr gemischten Gefühlen los. Zum einen werde ich nicht mehr nach Sierra Leone zurückkommen. Konnten meine FreundInnen bis zuletzt nicht glauben, deshalb fiel der Abschied sehr emotional aus.

Und dann war dann noch Guinea, ein wunderschönes Land das ich leider nur mit schlechten Erfahrungen in Verbindung bringe. Es sind nicht nur die extremen Straßenverhältnisse und die koruptesten Beamten auf der ganzen Reise die nerven. Ich empfinde die Stimmung sehr depressiv, hier wird kaum gelacht. Es ist nicht die Armut, Sierra Leone ist noch ärmer. Meine Theorie ist, dass es der Putsch von 2021 ist. Wurde ja damals von Oberst Mamady Doumbouya versprochen, dass es nach einem Jahr Wahlen gibt. Hat auch versprochen, dass er nie als Präsident kanditieren wird. Nach 4 Jahren Militärdiktatur dann letzten Herbst eine gefakte Wahl und er ist Präsident. 

Na ja, hab beschlossen meiner Stimmung zu vertrauen und nach der Grenze zu entscheiden ob ich doch über Conakry fahre mir den Visaaufkleber zu holen, oder mit dem E-Visa in längstens 5 Tagen das Land zu durchqueren. Bin eigentlich guter Dinge, das Auto ist komplett gecheckt und ich erinnere mich an den Wasserfall den ich letztes Mal besucht habe. Dann kommt die Grenze.

die Grenze (Califourou),

Montag 23. Februar

Die Ausreise aus Sierra Leone ist in 30 Minuten erledigt, Pass ausgestempelt und beim Zoll noch viel gelacht.

Einreise Guinea, 2 einhalb Stunden. Griesgrämige Gesichter, provokant langsam, korrupt und mir zeigen wieviel Macht sie haben und was sie von Weißen halten. Na ja, zumindest kann ich mir nun etwas vorstellen wie sich Rassismus anfühlt. Da mir bewusst ist wie privilegiert ich bin ist es natürlich nicht wirklich schlimm. Trotzdem beschließe ich die 5 Tagesdurchquerung zu wählen.

Zwei Stunden nach der Grenze merke ich wie das Pedal beim Bremsen immer tiefer geht, kurz darauf leuchtet die Warnleuchte für die Bremsen. Spoiler, die Bremsen werden immer schwächer und ich werde Guinea so durchqueren.

Unterwegs grinst mich immer wieder Oberst Doumbouya, diesesmal statt in Uniform mit tausend Orden, in einem strahlend weißen Anzug an. Noch ist die Straße asphaltiert und ich versuche Kilometer zu machen. Hoch konzentriert und mit viel Kupplung/Schalten (Motorbremse) bis das linke Knie vom kuppeln zu schmerzen beginnt.

Am späten Nachmittag komme ich in Coyah an wo ich auf dem Parkplatz eines kleinen Hotels übernachten werde.

Gleich vom Parkplatz geht ein Weg ab der zu einem Bach führt. Da es angenehmen Schatten gibt wird es eine längere Gassirunde und das Tier darf planschen.

Dienstag 24. Februar

Das Tagesziel ist Dalaba, unterwegs will mich das Navi über eine kürzere Strecke schicken. Nur ein ganz dünner Strich auf dem Navi, in der Karte gar nicht verzeichnet also lehne ich dankend ab. Bis Mamou gibt’s noch Asphalt. Von Mamou bis Dalaba sind's 54 Kilometer, dafür brauche ich knapp 5 Stunden. Manchmal habe ich das Gefühl, laufen wär schneller. 

Die letzten Kilometer bis zur Villa Sili (ehemalige französische Gouverneursresidenz) wo ich übernachten will erweisen sich als heftig. Ausgewaschene Piste steil bergauf und bergab, treibt mir mit meinen Bremsen den Angstschweiß auf die Stirn. 

Nach einer knappen Stunde für die 4 KM komme ich ziemlich erledigt an. Diesesmal schmerzt das rechte Knie vom andauernden pumpen mit dem Bremspedal (nach dem 5 Mal wird Druck aufgebaut, dazu muss das Pedal jedes Mal wieder ganz rauf. Eignet sich also nicht wirklich für eine Notbremsung). Das Museum ist geschlossen, also gibt’s nur einen kleinen Rundgang.

Da hier eine Menge Ziegen rumlaufen (unglaublich wie neugierig die sind, egal wie sehr Mitzi tobt, die kommen immer näher) ist Mitzi an der Leine. Dann steht sie da, und mein Tier will wieder mal mit einem viel zu großen Tier spielen.

Da ist er viel entspannter, und nicht schlecht im posen.

Die Umgebung ist traumhaft schön, und am Abend merke ich wie hoch wir hier sind. Bei nur noch 17 Grad muss ich Pullover und Jacke anziehen.

Mittwoch 25. Februar

Beim Kaffee überlege ich noch was wichtiger ist, dass der Motor beim Bergauffahren nicht abstirbt (also, gib ihm) oder ein Schaden weil wo reingefahren. 

Entscheide mich für die rasante Variante, weil bei diesen steilen Hängen das Anfahren ohne Handbremse (funktioniert gar nicht mehr) unmöglich ist. Bergab wird mit der Bremse gepumpt bis mir nach wenigen Minuten wieder das rechte Knie weh tut. Komme nicht groß zum Nachdenken und nach 40 Minuten bin ich auf der normalen Piste, also 15 Minuten schneller als gestern. Danach folgen 98 KM bis Labe für die ich fast 7 Stunden brauche.

Am Abend komme ich in Labe an und übernachte wieder vor einem Hotel. Das Hotel Tata wird von einem senegalesisch/italienischen Paar geführt. Nix besonderes, aber sicher und sehr angenehme Sanitärräume.

Und dahinter die bunten Bungalows mit schönen Gärten.

Da das nächste Teilstück länger ist überlege ich bereits um 6 Uhr loszufahren. Bevor ich den Wecker stelle schalte ich sicherheitshalber das Licht an, tja, funktioniert nicht. Eigentlich wundere ich mich nicht und stelle den Wecker entspannt auf 7 Uhr.

Donnerstag 26. Februar

Kurz nach Labe dann so was ähnliches wie Straße, mal Fetzenasphalt mal feinster Untergrund. Das Navi meint, ich werde die Strecke in 6,5 Stunden schaffen. Da das Navi anscheinend keinen Fetzenasphalt kennt spute ich mich und mache kaum Pausen. Vor Einbruch der Dunkelheit biege ich kurz vor Koundara in einen Feldweg ein und finde nach einigen Kilomter ein kleines Haus vor dem eine Frau kocht. Da genau gegenüber ein Baum steht bleibe ich stehen und frage ob ich hier übernachten darf. Sie spricht zwar nicht französisch (Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht welcher Tribe hier lebt) aber sie versteht meine Frage und bejaht sie freundlich. 

Hab also meinen letzten Stellplatz in Guinea gefunden.

Am Abend kommen immer wieder Kinder vorbei, dass mit dem seltsamen großen schwarzen Tier hat sich rumgesprochen.

Morgen sind's noch knapp 2 Stunden bis zur Grenze, ist auch der letzte Tag an dem mein Visum gilt. Mir fällt auf, dass der rechte hintere Reifen weniger Luft hat. Da ich schon ziemlich müde bin beschließe ich mich morgen früh darum zu kümmer.

Freitag 27. Februar

Das erste was ich nach dem Aufstehen sehe ist, dass der rechte Hinterreifen platt ist. Tröste mich noch damit, dass das immer noch besser ist als während der Fahrt. Da weiß ich noch nicht, dass der Radwechsel gut 3 Stunden dauern wird. Also Leiter raus und Ersatzrad runter vom Dach, die nette Frau hilft mir dabei. Hab Unterlegplatten dabei, der Boden ist an der Stelle so weich, dass sie bei jedem Mal pumpen versinken. Da das die einzige Stelle ist wo ich den Wagenheber ansetzen kann überlege ich das Auto um ein paar Meter umzuparken. Da es dann aber mitten in der Sonne steht und es um 8 Uhr bereits 31° hat und ich Schiss habe den Reifen komplett zu ruinieren (hoffe sehr, dass er geflickt werden kann. Ist nicht so einfach hier meine Reifen zu bekommen) entscheide ich mich dafür Steine zu suchen. Nachdem ich endlich den Untergrund befestigt habe will ich die Radmuttern öffnen. Selbst auf den Radmutterschlüssel drauf steigen bringt nix, die müssen in SL sich zu dritt an eine Verlängerung gehängt haben. Also springe ich fluchend drauf rum, hoffend dass nicht der Schlüssel oder ein Bolzen reisst. Nach 40 Minuten ist das Rad ab und ich bin so erledigt dass ich die Frau bitten muss mir zu helfen das Ersatzrad rauf zu stecken. Beim Ablassen verkeilt sich der Wagenheber mit meiner Steine/Unterlegplatte Konstruktion und ich brauche eine weitere Stunde um ihn rauszubekommen, alles zu verstauen und den kaputten Reifen auf's Dach zu geben (wieder mit Hilfe der Frau). Bevor ich kurz vor 11 endlich starte, total dreckig und mit zerissener Hose, schenke ich der Frau meine letzten Kekse und eine Packung Reis.

Nach einer Stunde dann der große Polizeiposten vor der Grenze, berüchtigt für seinen unfreudlichen und extrem korrupten Chef. Ich habe vor 2 Jahren auch sehr unangenehme Erfahrungen mit ihm gemacht, hat mich 3 Stunden, viele Drohungen (von ihm, teilweise gebrüllt) und 80€ gekostet. Dieses Mal gab's nix zu beanstanden, trotzdem ewig gewartet nur für ein Foto. 

Dann nochmal links zum Zoll, er will das Carnet falsch stempeln (Ein statt Ausreise) und als ich ihn höflich darauf hinweise besteht er darauf zu wissen was er tut. Da er wirklich falsch stempeln will und ich absolut keinen Bock auf Sress bei der Einreise im Senegal brauche nehme ich seine Hand und führe sie an die richtige Stelle. Sieht mich zuerst fassungslos an, stempelt dann aber richtig und schickt mich wütend raus. 

2 KM weiter rechts rein zum Scanner, dauert mit warten wieder eine halbe Stunde. Endlich an der Grenze begegne ich dieser unglaublichen Langsamkeit und Bürokratie dann schon richtig entspannt. Nachdem alles eingetippt, eingescannt und kopiert wird, wird’s dann noch zigmal händisch aufgeschrieben. Und jeder hat einen Lakaien den er anbrüllt, und die brüllen wieder irgendjemand an. 

Jetzt mal den mühsamsten Teil geschafft. In 2 Tagen will ich in Ziguinchor sein, den Campingplatz kenne ich und freue mich schon drauf. Am Wg noch zu Auchan leckeres Zeux kaufen, das Auto waschen, mal entspannen schon und ruterkommen. Hab mir in Ziguinchor schon eine Werkstatt und ein Hotel gesucht in dem ich die Reparatur abwarte. Gibt dann hoffentlich beim näxten Mal wieder erfreulicheres zu lesen mit ein paar schönen Fotos.

So, jetzt gibt’s doch noch einen Nachtrag. Als ich in Ziguinchor das Auto hab waschen lassen bemerke ich Trofen an der Innenseite der neuen Windschutzscheibe. Heute ist Mittwoch der 4. März, ich bin seit 6 Tagen im Senegal und das Auto steht seit 3 Tagen in der Werkstatt.

Und heute die Nachricht, die benötigten Ersatzteile um die Bremsen umfassend zu reparieren haben eine Lieferzeit von 3 Monaten! Die neue Windschutzscheibe ist tatsächlich undicht und der Reifen so kaputt dass er nicht mehr geflickt werden kann. Und dann haben sie's geschafft 2 Radbolzen abzureißen.

Nach dem ersten Schock habe ich folgendes beschlossen. Übermorgen geht’s ans Meer, dann 2 Wochen die Küste der Casamance und wieder zurück nach Ziguinchor. Die Werkstatt meinte, bis dahin haben sie einen Reifen (also die näxten 400 KM keine Reifenpanne) und eine Windschutzscheibe (meine dritte!), wird hoffentlich in den näxten 2 Wochen nicht regnen. 

Die näxte Werkstatt der ich zutraue das Kack Bremsproblem zu lösen ist in Marokko, also die näxten 4.000KM so fahren wie die letzten 5.000KM seit Ghana. Ein Viertel mehr Zeit einplanen, das rechte Knie zum pumpen trainieren, vorausschauend fahren und die Motorbremse strapazieren. 

Mitzi spürt, dass es gerade nicht so rund läuft. Hab ihr für die näxten 2 Wochen Meer versprochen, und ich freu mich auch schon wieder drauf. Kann den Scheiss eh nicht ändern, also Augen zu und durch. Und am Sonntag die näxte Euphoriewelle wenn wir gegen die Eintracht 3 Punkte holen. Sorry Verena, aber wir brauchen die Punkte dringender:).

So, beim näxten Mal dann wieder ein netter Reisebericht mit schönen Fotos!