die Grenze (Bo)
Wache völlig übermüdet und schlecht gelaunt auf. Hab für einen Stellplatz bei einem Guesthouse kurz vor der Grenze nach zähen Verhandlungen (letztlich statt der geforderten 30$ „nur“ 15$) einen völlig überzogenen Preis bezahlt. Dann stellt der Besitzer um 18 Uhr einen Generator an der direkt neben meinem Auto steht und extrem stinkt und einen höllischen Lärm macht. Ab 22 Uhr bitte ich ihn den auszumachen, wird jedesmal ignoriert. Ab 1 Uhr beginne ich in Intervallen zu hupen, keine Reaktion. Um 1:30 gehe ich nicht mehr runter von der Hupe und nach wenigen Minuten kommt der Boss wutentbrannt raus. Teile ihm mit, dass er die Wahl hat den Generator auszumachen, oder ich hupe die Nacht durch. Schließlich gibt er auf, komme trotzdem nur auf 4 Stunden Schlaf.
Das einzig nette hier sind die Welpen.
Aids ist hier ein großes Thema. Die Botschaft ist eindeutig, it's not on it's not in:).
Die Ausreise aus Sierra Leone ist relativ schnell erledigt. Beim Zoll wo das Carnet de Passages gestempelt wird versucht mir der Beamte zu erklären, dass in Guinea der Stempel der Interpol fehlt und ich dafür zahlen muss. Zuerst breche ich in schallendes Gelächter aus, als ich merke, dass er es ernst meint habe ich genug. Er hat echt Pech, dass ich so grantig bin. Ich brülle ihn an (man kann auch ohne Uniform schreien), dass ich von seinen Korruptionsversuchen die Schnauze voll habe, und wenn ich nicht sofort meine Dokumente zurückbekomme, ich den Chef der Migration Police in Freetown anrufe weil ich den persönlich kenne:). Geht doch. Dann muss ich noch zum Arzt den Impfpass herzeigen und die Hände desinfizieren. Der Geldwechsler will mich übers Ohr legen und ich beschließe auf der anderen Seite zu wechseln. Bis zur liberianischen Seite dackelt mir jemand hinterher und schwafelt mich voll. Da er keine Uniform hat will ich seinen Ausweis sehen, hat er nicht, will aber ein Geschenk, weil das in Afrika so üblich ist. Bei mir ist es üblich Nervensägen stehen zu lassen, also fahr ich einfach weiter.
Einreise Liberia geht schnell, alle Stempel, Geldwechsel und eine Simkarte innerhalb einer Stunde. Hätte länger dauern können, aber als das Auto durchsucht werden soll macht Mitzi brav wuff, und das war's dann schon. Weiß gar nicht, warum ich vor jeder Grenze meine Kräutervorräte wegwerfen.
Der Plan ist, Liberia und Elfenbeinküste rasch zu durchqueren und auf dem Rückweg zu erkunden.
Bureh Beach – Monrovia
8.236 KM
14. - 17.11. 2025
Sonntag 16. November
Von der Grenze bis Monrovia wieder mal nur Fetzenasphalt. Die Dörfer am Weg sehen ziemlich abgefuckt aus, ich denke, der Eindruck entsteht nicht wegen der Armut sondern weil hier, im Gegensatz zu SL niemand lacht. Fahre über 2 Stunden durch Monrovia bis zum Stellplatz, ist zwar viel weniger stressig als in Freetown. Aber auch hier wirkt alles sehr räudig auf mich, gibt sicher auch schöne Teile in Monrovia, es ist die Stimmung die mich etwas runter zieht.
Die Laune wird besser als ich den Stellplatz erreiche.
Kent ist der Mitarbeiter einer kleinen kanadischen NGO und vermietet Stehplätze für 10$, dafür gibt’s das edelste Badezimmer seit ich unterwegs bin.
Mitzi findet einen Verehrer der ihr nicht mehr von der Seite weicht, wie man sieht ist es ihr aber zu warm um zu spielen.
Erledige ein paar Einkäufe und muss sagen, Liberia ist bisher mit Abstand das teuerste Land. Außerdem hätte ich mir das Geld wechseln sparen können, eigentlich ist alles in USD angegeben, dann wird mühsam in liberianische Dollar umgerechnet.
Rund um meinen SP sieht's nicht wirklich aus wie in einer Großstadt.
Montag 17. November
Geht wie immer früh los, bin eigentlich ganz gut raus gekommen und bis zum geplanten näxten SP gings so gut voran, dass ich beschließe bis zur Grenze der Elfenbeinküste durchzufahren. Bin Richtung Nimbaberge unterwegs, es wird immer steiler, merke wie der Spritverbrauch steigt und in meinen Ohren beginnt es zu knacken. Dann kommt ein Problem, dass ich in dem Ausmaß noch nicht hatte. Das Tankstellennetz ist in manchen Ländern nicht besonders dicht, deshalb versuche ich bei halbvollem Tank bereits zu tanken. Dieses mal nach 2,5 Stunden noch immer nix von einer Tanke zu sehen, nur Stände an denen Sprit in Flaschen verkauft wird. Abgesehen davon, dass ich dort keine 40-50 Flaschen sehe habe ich meine Zweifel an der Sprit Qualität. Bin schon kurz vor Reserve und habe mich bereits mit dem Gedanken angefreundet mit meinen Ersatzkanistern zu tanken, da taucht doch noch eine Tanke auf.
Die letzten 30KM sind heftige Piste, da weiß ich noch nicht was mich nach der Grenze erwartet.
Will eigentlich kurz vor der Grenze übernachten, die einzige Möglichkeit ist der Parkplatz vor einem Hotel. Der will für eine Übernachtung im Auto mit einer Eimerdusche und Plumpsklo 30$.
Bin so sauer, dass ich beschließe die Grenze noch heute zu überqueren, was sich als Fehler rausstellen sollte.
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